Chanukah I – Ein Prologue (2023)

In den Abend führt ein Summen.

Zwei Spieler und vier Musiker betreten die Bühne. An getrennten Tischen sitzend teilen die Spieler eine Unterhaltung, die bereits am Laufen ist – `Somewhere in time´. Der Originaltext, der auf Deutsch und Englisch präsentiert wird, ist in neun Stücken arrangiert, die Anzahl der Kerzen einer Chanukah Menora. Jedes Stück entfaltet neue Details. Wir streifen durch ein Jahrhundert, durch Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges. Orte, Themen und Daten werden markiert – irgendwo zwischen Duisburg, Amsterdam und New York, zwischen 1924 und 2031. Im Nebel tauchen Erinnerungen auf. Wir erfahren von Resignation und möglicher Hoffnung. Überschneidungen von Wegen werden ebenso entdeckt wie Beinahe Begegnung in Raum, Zeit und Denken.

Mit einer Leichtigkeit, die niemals über die Ernsthaftigkeit der Themen hinwegtäuscht, setzen sich die Spieler aus der Sicht einer `dritten Generation´ mit Fragen des Ressentiments, des Widerstandes, der Versöhnung, der Selbstbehauptung und der Bedeutung des Überlebens auseinander. Dabei scheint die Möglichkeit einer zukünftigen theatralen Form bereits durch. Musik, die hier nicht als Füller gedacht ist, gestaltet zeitliche Flächen, faltet Räume, macht mit Dissonanzen Widersprüche und Reibungen sinnlich erfahrbar oder tritt als schlichtes Lied in die Welt, als Weise über Freuden und Klagen, über Widerstand oder als Erinnerung. Im neunten und letzten Textstück `The Shamash´ beschreiben die beiden Spieler schließlich die der Geschichte zu Grunde liegende Photographie gemeinsam, indem sich ihre Sprachen mischen. Es ist auch die Geschichte ihrer eignen Begegnung vor zwanzig Jahren in Paris. Es wird klar, der Abend selbst entwickelt sich zu einem weiteren Beginn, innerhalb eines Geschehens, das bereits im Gange ist. Das anfängliche Summen hat sich verstärkt, wird zum Auftakt. Aus Moll wird Dur. Der Abend formt sich zu einem Prologue, der Kommendes ahnen lässt. Mit Chanukah I ist das Publikum eingeladen, sich in die Ruinen einer Festlichkeit zu begeben, in denen aus Musik und Text eine Klanglandschaft entsteht, die ebenso subtil wie kraftvoll komponiert ist. Wo angebracht wird der Abend den Humor nicht meiden. Eine einfache Versöhnung mit dem Bestehenden sucht er jedoch nicht. Manchmal gibt es Latkes.

Kapitel:  I– Somewhere in Time  II – Ein Brief aus der Zukunft  III– Fog of Memory IV– Historischer Materialismus V– Stuff of Legends VI– Ein Toast VII – Jewess VIII– Zwanzigdreiundzwanzig  IX– Shamash – ein Photo

Mit: Kate Hannah Weinrieb (Text, Sprecherin) Eleonora Savini (Violine) Thorsten Müller (Klarinette) Brueder Selke (Cello, Piano, Elektronik) Sebastian Weise (Text, Sprecher) Technik (sound) Lukas Pirl Motiv, Radierung: Holger Podßuweit Produktion: Libertalia e.V. (2023) mit freundlicher Unterstützung der Landeshauptstadt Potsdam

Trailer Chanukah I – A Prologue – 2023

Kapitel:  I– Somewhere in Time  II – Ein Brief aus der Zukunft  III– Fog of Memory IV Historischer Materialismus // V– Stuff of Legends // VI– Ein Toast // VII – Jewess VIII– Zwanzigdreiundzwanzig  IX– Shamash – ein Photo