Chanukah I – Ein Prologue
rework 2024
























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Waschhaus Potsdam (Kesselhaus), , Schiffbauergasse 6
Einlass: 19h30 Beginn: 20h00
Beschreibung
– Eine Photographie. 1927 Berlin. Ein großer Raum mit Spiegeln. Eine Villa. Eine Zusammenkunft. Eine Familie. Freunde. 46 Leute. Gut gekleidet. Ruinen einer Festlichkeit, angebrochener Champagner, Reste eines reichen Mahls auf Silbertellern, weißes Tischtuch. Hochzeit. Der Blitz erhellt, fixiert, begrenzt den Augenblick. Von den 7 Kindern in der ersten Reihe am Boden ein Mädchen, 8 Jahre, eine unschuldige Geste. Sie hält sich die Hand vor die Augen: „Damit der Blitz mich nicht blendet“ und „Das waren die glücklichen Zeiten“ wird sie 60 Jahre später in Buffalo, New York bezeugen. Als Ihre Enkeltochter am 7. Dezember 2004 in Paris das Photo einem Mitbewohner beschreibt, wird sie hinzufügen „She was the only one to survive. In a way, we could have been neighbors“. Es war Chanukah, ihr sechsundzwanzigstes, sein erstes. –
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Unser Prologue Chanukah I geht in seine nächste Runde. Ohne die Version 2023 zu verletzen, werden dabei im rework 2024 subtil aktuelle Zeitstempel eingearbeitet. Für alle, die das letzte mal nicht dabei sein konnten, für zukünftige Kollaborateure, alte und neue Freunde oder einfach Liebhaber besonderer Abende wird der Prologue noch einmal auf die Bühne gebracht. Er dient weiterhin als eine Art Foyer für das Gesamtprojekt Chanukah.
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In den Abend führt ein Summen.
Zwei Spieler und vier Musiker betreten die Bühne. An getrennten Tischen sitzend teilen die Spieler eine Unterhaltung, die bereits am Laufen ist. Der Originaltext, der auf Deutsch und Englisch präsentiert wird, ist in neun Stücken arrangiert, die Anzahl der Kerzen einer Chanukah Menora. Jedes Stück entfaltet neue Details. Wir streifen durch ein Jahrhundert, durch Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges. Orte, Themen und Daten werden markiert – irgendwo zwischen Duisburg, Amsterdam und New York, zwischen 1924 und 2031. Im Nebel tauchen Erinnerungen auf. Wir erfahren von Resignation und möglicher Hoffnung. Überschneidungen von Wegen werden ebenso entdeckt wie Beinahe Begegnung in Raum, Zeit und Denken.
Mit einer Leichtigkeit, die niemals über die Ernsthaftigkeit der Themen hinwegtäuscht, setzen sich die Spieler aus der Sicht einer `dritten Generation´ mit Fragen des Ressentiments, des Widerstandes, der Versöhnung, der Selbstbehauptung und der Bedeutung des Überlebens auseinander. Musik gestaltet zeitliche Flächen, faltet Räume, macht mit Dissonanzen Widersprüche und Reibungen sinnlich erfahrbar oder tritt als schlichtes Lied in die Welt. Es wird klar, der Abend selbst entwickelt sich zu einem weiteren Beginn, innerhalb eines Geschehens, das bereits im Gange ist. Das anfängliche Summen hat sich verstärkt, wird zum Auftakt. Aus Moll wird Dur. Der Abend formt sich zu einem Prologue, der Kommendes ahnen lässt.
Mit Chanukah I ist das Publikum eingeladen, sich in die Ruinen einer Festlichkeit zu begeben, in denen aus Musik und Text eine Klanglandschaft entsteht, die ebenso subtil wie kraftvoll komponiert ist. Wo angebracht wird der Abend den Humor nicht meiden. Eine einfache Versöhnung mit dem Bestehenden sucht er jedoch nicht.
Mit: Kate Hannah Weinrieb (Text, Sprecherin) Eleonora Savini (Violine) Thorsten Müller (Klarinette) Brueder Selke (Cello, Piano, Elektronik) Sebastian Weise (Text, Sprecher) Technik (sound) Lukas Höglmüller Motiv, Radierung: Holger Podßuweit Produktion: Libertalia e.V. (2023) mit freundlicher Unterstützung der Landeshauptstadt Potsdam
Informationen zum Gesamtprojekt Chanukah.
THX @:


